Die Geschichte unserer politischen Initiative

Der Missbrauch von Kindern und das Fehlen einer historischen Aufarbeitung ist ein gesamteuropäisches Problem. In diesem Zusammenhang ist die Schweiz ein Vorbild im Umgang mit der Vergangenheit. Eine politische Initiative hat zu einer umfassenden Lösung geführt. Im Mittelpunkt standen: Wahrheit über Kindesmissbrauch, Offizielle Anerkennung, Wiedergutmachung, Prävention. Dieser erfolgreiche Weg soll auf europäischer Ebene verfolgt werden.  Die Erfahrungen der Schweiz sollen die Grundlage für die politische Arbeit auf europäischer Ebene sein.

In der Schweiz wurden Zehntausende Kinder und Jugendliche von den Behörden als billige Arbeitskräfte auf Bauernhöfen platziert oder in strikten Heimeinrichtungen, in Sicherheitsinstitutionen oder sogar Gefängnissen untergebracht, ohne dass ein Gerichtsurteil gesprochen wurde. Diese Kinder und Jugendlichen erlebten oft unaussprechliches Leid und Ungerechtigkeiten. In manchen Fällen waren sie immenser physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt, wurden ausgebeutet, sexuell missbraucht und litten zudem enorm unter der Trennung von ihren Eltern und Geschwistern. Insbesondere dank einer Volksinitiative der Guido Fluri Stiftung , mit über 100 000 gesammelten Unterschriften – hat sich auf sozialer und politischer Ebene in kurzer Zeit viel verändert, was zu einem Umdenken führte. In Rekordzeit wurde das Bundesgesetz für die Aufarbeitung fürsorgerische Zwangsmaßnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) von beiden Kammern des Parlaments mit deutlichen Mehrheiten erarbeitet und verabschiedet. Das Gesetz trat am 1. April 2017 in Kraft, und der Prozess der Vergangenheitsaufarbeitung ist nun am laufen.

Der Schweizer Prozess der Aufarbeitung wurde in den Nachbarländern mit grossem Interesse beobachtet. So unterschiedlich und spezifisch Missbrauchsfälle in den einzelnen Ländern auch sind, Menschen aus vielen anderen europäischen Ländern sind von ähnlichen Menschenrechtsverletzungen betroffen. Die positiven Schweizer Erfahrungen sollen andere europäische Länder unterstützen, die sich auf den Prozess der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einlassen oder bereits auf diesem Weg sind. Guido Fluri, Präsident der gleichnamigen Stiftung, die sich dem Kinderschutz verschrieben hat, wird die europäische politische Initiative erneut unterstützen, wie er dies bereits in der Schweiz getan hat.

Ein internationales Symposium mitte September in Bern war ein erster Schritt in diese Richtung. Untersucht wurde die Situation in den verschiedenen europäischen Ländern und Vertreterinnen und Vertreter des Bundesamtes für Justiz zeigten unter anderem, wie die Schweiz den Prozess der Aufarbeitung mit ihrer Vergangenheit umgesetzt hat und wie gezielte Selbsthilfeprojekte Überlebenden und Opfern über rechtliche Lösungen hinaus helfen. An dem Symposium nahmen internationale Expertinnen und Experten, Betroffene und Organisationen, Medienvertreter aus dem In- und Ausland teil. Anlässlich dieses Symposiums beschlossen die Teilnehmenden, eine Motion im Europarat einzureichen.

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